Canyoning in der Verdon Schlucht mit Kind – kein ungefährliches Vergnügen

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Canyoning in der Verdon Schlucht mit Kind – kein ungefährliches Vergnügen

Canyoning beginnt da, wo das Wandern aufhört. Klammen und Höhlen, reißende Bäche, steile Felswände und tosende Wasserfälle sind das Revier von Menschen, die ganz besonders nah an der Natur sein möchten. Die Verdon Schlucht, in den Ausläufern der Alpen, ist der ideale Ort für alle möglichen Sportarten wie Wildwasserrafting, Paragliding und natürlich Canyoning.

Wildwasserrafting und Gleitschirmfliegen kenne ich schon. Canyoning hingegen haben wir noch nie ausprobiert. Bei einigen Canyoning-Veranstaltern gibt es spezielle Canyoning-Touren für Familien mit Kindern. Wir sind begeistert von der Idee einer familienfreundlichen Canyoning-Tour und buchen bei einem lokalen Anbieter.

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In der atemberaubenden Natur der Verdon Schlucht, in der Provence, lernen wir auf unserer ersten Canyoning-Tour, die Kräfte des Elementes Wasser und uns selbst besser kennen.

Früh am Morgen des nächsten Tages geht es auch schon los. Wir sind mit unserem Canyoning-Guide auf einem Parkplatz in La Palud verabredet. Doch das Abenteuer beginnt für uns schon bei der Autofahrt zum Startpunkt der Tour.

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Mit unserem Mietwagen, welchen wir von Deutschland aus bei billiger-mietwagen.de gebucht haben, fahren wir auf die Höhenstraße, die am Abgrund der Verdon Schlucht verläuft. Die enge Straße ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven oder Höhenangst. Ein kleiner Fehler kann hier zum Verhängnis werden und man stürzt mehrere Hundert Meter in die Tiefe.

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Der Ausblick von hier oben ist einmalig und es fällt schwer, nicht hinzusehen. Wir machen einige Zwischenstopps an den Parkbuchten und genießen den Grand Canyon Frankreichs, die steilen Felswände und den smaragdgrünen Fluss in der Tiefe von oben.

In La Palut angekommen werden wir von unserem Guide freundliche begrüßt. Wir machen die Canyoning-Tour nicht alleine. Noch zwei weitere Familien mit Kindern sind mit uns am Start. Es geht jetzt alles ganz schnell. Wir bekommen unsere Ausrüstung – Neoprenanzüge, Schwimmwesten, Helme, Klettergurte, Rucksack und wasserdichte Tonnen. Wir fahren auch direkt weiter. Sein Fahrzeug lässt der Guide am Endpunkt der Canyoning-Tour stehen und mit den anderen Autos fahren wir einige Kilometer weiter zum Startpunkt.

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Die Neoprenanzüge bleiben noch in den Rucksäcken. Helm und Gurt reichen für den Anfang. Wir ziehen unsere Klettersachen an und beginnen erst einmal mit der Wanderung hinunter in die Schlucht.

Wir wandern den Berg herunter und folgen dabei immer einem kleinen Trampelpfad. Schon hier ist volle Konzentration aber auch Trittsicherheit gefragt, denn der Abstieg ist steil und rutschig. Wir dürfen uns nicht von dem Ausblick auf die wunderschöne Landschaft, dem frischen Waldduft und bunten Schmetterlingen, die immer wieder auf uns landen, ablenken lassen.

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“Wie? Da müssen wir runter?” – Canyoning in der Verdon Schlucht mit Kind

Es geht nicht mehr weiter. Wir stehen auf einem Felsvorsprung, einem Abgrund. Jetzt müssen wir uns abseilen. Unser Guide macht es vor und zeigt uns, wie es geht. Die eben noch lachenden Kindergesichter erstarren. Leichte Panik macht sich breit. Ein Erwachsener geht vor und seilt sich zuerst ab, um die nachfolgenden Personen zu sichern.

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Abseilen mit Tränen – Canyoning in der Verdon Schlucht mit Kind

Der erste Schritt, Ängste loslassen, nach hinten lehnen, sich in den Gurt hängen, vertrauen – das kostet die meiste Überwindung. Ist das erst einmal geschafft, spaziert man eigentlich ganz unkompliziert mit kleinen Schritten rückwärts die Wand hinunter. Die großen Kinder meistern die erste Aufgabe mit Bravour. Die zwei kleinen Kinder einer Familie aus Frankreich, mit vielen Tränen und verängstigten Blicken. Die beiden taten mir echt leid.

Unten angekommen wandern wir jetzt keinen Wanderweg mehr entlang, sondern wir folgen einem ausgetrockneten Flussbett. Wir wandern und klettern über die durch die Strömung glatt polierten Steine, noch weiter hinunter. Immer wieder müssen wir uns abseilen und einige Klettereinlagen meistern, bis wir uns in unsere Neoprenanzüge pressen können.

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Es ist herrlich, nach einem langen Marsch endlich ins kühle Nass springen zu können. Wir genießen ein Bad im glasklaren Wasser des Canyons und machen eine kurze Pause. Unsere Canyoning-Tour geht jetzt im Wasser weiter. Wir lassen uns ein Stück den Fluss hinunter treiben und genießen spektakuläre Ausblicke in die mächtigen, glatt polierten Felsen über uns.

Die zu beginn noch quatschenden und lachenden Kinder, stehen unter Strom und bewegen sich langsam und bewusst die Schlucht hinunter. Das tosende Wasser, die engen, hohen Felswände links und rechts, flößen Respekt ein.

Angst, Vertrauen und Mut – Canyoning in der Verdon Schlucht mit Kind

Wir erreiche den ersten Wasserfall und dürfen das erste Mal springen. Fünf Meter geht es von hier aus in die Tiefe. Wir machen uns zum Absprung bereit. Von der Absprungfläche schaue ich hinunter auf die Wasserfläche, die ich gleich treffen muss. Der Guide wirft einen Stein auf den Punkt, den wir beim Springen treffen müssen. Springen wir einen halben Meter zu weit nach vorne, landen wir auf einem Stein. Zu weit nach links, in einem Strudel, der uns unter Wasser drücken wird. Es ist nicht ganz ungefährlich, doch ich habe Vertrauen in mich und unseren Guide. Nach kurzem Zögern springe ich ab und spüre noch die Hand des Guides an meinem Rücken, der mich ein kleines bisschen nach vorne drückt, damit ich die vielleicht ein Quadratmeter große Fläche treffe, und nicht im Strudel oder auf den Steinen lande. Meine Nervosität überträgt sich auf das Kind. Erik zögert und auch die anderen Kinder lassen sind abseilen. So ist es mir auch lieber.

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Canyoning ist nicht ganz ungefährlich – Canyoning in der Verdon Schlucht mit Kind

Das Abseilen am Wasserfall ist nicht so einfach wie zu Beginn der Tour am Felsen ohne Wasser. Die Wand ist uneben und man hat wenig Halt. Erik tritt in eine Vertiefung und rutscht ab. Zum Glück wird er gesichert. Trotzdem hat er zu viel Schwung und knallt mit dem Kopf gegen die Felswand. Er kommt mit einem Schrecken davon.

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Das nächste Hindernis liegt vor uns. Ein Loch, gerade mal so breit wie ich, welches uns den Weg versperrt. Schon der Anblick von diesem dunklen Loch, in welchem das Wasser verschwindet, löst bei mir Beklemmung aus. Ich fasse meinen ganzen Mut zusammen und steige mit den Füßen zuerst voran. Langsam schiebe ich mich immer weiter hinein. Mit meinen Armen drehe ich meinen Kopf zur Seite, damit Kopf und Helm durch die enge Öffnung passen. Den Rest macht die Schwerkraft. Eine sehr unangenehme Erfahrung. Für die Kinder ist das Loch ein Kinderspiel.

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Sprungfelsen und Naturrutschen – Canyoning in der Verdon Schlucht mit Kind

Die restliche Tour verläuft sehr entspannt. Wir kommen vorbei an einigen kinderfreundlichen Sprungfelsen, natürlichen Schwimmbecken und Wasserfällen, von denen recht sicher gesprungen werden kann. Wir rutschen Natursteinrutschen immer weiter den Flussverlauf hinunter, springen in smaragdgrüne Swimmingpools und lassen uns anschließend von den warmen Sonnenstrahlen aufwärmen.

Immer wieder den Blick in die atemberaubende Natur gewand bin ich fasziniert von ihrer Schönheit, der Kraft des Wassers und den hohen Felsen. In der vierstündigen Canyoning-Tour für Familien gehen wir an unsere Grenzen. Wir überwinden viele Ängste aber behalten auch einige Ängste bei. Wir lernen uns und auch die Kräfte der Natur kennen. Wir beweisen Mut aber auch Respekt.

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Wie gefährlich ist Canyoning mit Kindern?

Canyoning mit Kindern ist ein nicht ganz ungefährliches Abenteuer. Kinder können die Gefahren meist nicht so gut einschätzen wie die Erwachsenen. Die Erwachsenen hingegen neigen dazu übervorsichtig zu sein und haben mehr Angst um ihre Kinder, als um sich selbst. Darum ist es wichtig, immer ganz genau den Anweisungen des Guides zu folgen und aufmerksam zuzuhören. Der Guide gibt immer klare, präzise Anweisungen, oft auch mal in einem strengen Ton um Bewusstsein für die nicht ganz ungefährliche Lage zu schaffen. Wer den Anweisungen folgt, sollte theoretisch sicher ans Ziel kommen. Auch ist es nicht nötig, alle Wasserfälle runter zu springen und sich überall abzuseilen. Die meisten Canyoning-Touren für Familien sind so gestaltet, dass es immer einen zweiten, einfacheren Weg nach unten gibt.

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Hast du schon mal Canyoning ausprobiert? Ich freue mich über Kommentare.

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3 Antworten

  1. Das wäre so richtig was für uns. Sowas ähnliches haben wir mal auf den Färöer Inseln gemacht, dort heißt das Rapelling: https://www.youtube.com/watch?v=SFVYPR0WDKY

    Liebe Grüße die nordicfamily

    • Levartworldblog

      Wusste gar nicht, dass es auf den Färöer Inseln auch möglich ist. Danke für den Tipp! Habe euch direkt mal abonniert 🙂 LG Alexandra

  2. Coole Sache, Alexandra!
    Wir haben Canyoning bisher nur ohne Kids gemacht, sind aber mit ihnen schon mit Seil geklettert… und siehe da, die Kids haben weniger Probleme mit den Höhen als ich (eigentlich nichts neues, haben wir bereits bei unseren normalen Wandertouren in den Bergen in den letzten Jahren festgestellt). Aber so ne Familiencanyoningtour wäre echt mal was…
    🙂
    LG aus dem Norden
    Hartmut

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