Weltreisen mit Kindern – Ganz einfach, oder?

Weltreisen mit Kindern – Ganz einfach, oder?

(Gastbeitrag von Frauke) Was vor ein paar Jahren noch extrem exotisch und abenteuerlich klang, nämlich eine Weltreise zu unternehmen, ist inzwischen fast schon normal geworden. Fast jeder kennt irgendwen, der das schon mal gemacht hat oder demnächst plant. Aber eine Weltreise mit Kindern ist für viele immer noch undenkbar. Außer unter Vielreisenden erscheint es vielen Eltern absolut unmöglich, so ein Mammutprojekt mit Kindern organisatorisch und finanziell zu stemmen. Dabei ist es gar nicht so schwer, wie viele denken, und vor allem ein Once in a Lifetime-Erlebnis für die ganze Familie, eine an Intensität nicht zu steigernde Lebenserfahrung. Seit 10 Jahren berate ich Weltreisende, seit 7 Jahren vorrangig Familien auf Weltreise.  Ich möchte euch zeigen, wie ihr eine Weltreise mit Kindern tatsächlich realisieren könnt.

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Stolzer Wanderer

Warum Weltreisen mit Kindern?

Wer nicht sowieso schon ewig den Wunsch hegt, eine Weltreise oder Langzeitreise mit Kindern zu unternehmen, fragt sich vielleicht als erstes, warum er das überhaupt in Angriff nehmen sollte. Schließlich kostet es viel Vorbereitungszeit, Geld und Nerven, oder? 

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Auf Tuchfühlung mit Wildlife in Costa Rica

Fernreisen mit Kindern ist ganz, ganz viel Familienzeit, die man zuhause so niemals erlebt.  Denn daheim füllt sich der Tag – neben den üblichen Alltagspflichten, die man natürlich zum Teil auch während der Reise hat –, mit Zeitfressern wie Arbeit, Kita, Schule, Vereinen, Bekannten und erweiterter Familie. Zack ist wieder ein Tag rum, an dem man sich zwischen Tür und Angel kaum Hallo gesagt und nur ein paar wenige Stunden gemeinsam  verbracht hat. Eine Langzeitreise ermöglicht es, mit allen Familienmitgliedern rund um die Uhr zusammen zu sein. Und dabei ganz intensive Reiseerlebnisse zu teilen, an die man sich noch super lange erinnern wird. Selbst, wenn das Kind zu klein ist, um sich später noch zu erinnern, wird sich diese intensive Phase mit Mama und Papa in die Erfahrungswelt der Kleinen einprägen. Alle Familienmitglieder können auf so einer Reise noch mal ganz neu ihre Rolle in der Familie erkennen, überdenken und sich ausprobieren. Sich als Familie neu erfinden sozusagen. 

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Happy Poolbaby an einem heißen Tag in den Tropen

Darüber hinaus steht außer Frage, was Kindern das Reisen und Kennenlernen anderer Länder und Kulturen an sich bringt. Statt trockenem Schulwissen erleben sie fremde Kulturen und Religionen hautnah, gehen mit Tieren auf Tuchfühlung, testen unzählige Speisen, riechen neue Gerüche und erproben auch ihre körperlichen Grenzen – ob bei Wanderungen, beim Schnorcheln oder einfach beim täglichen Leben im tropischen Klima. Außerdem haben sie auch endlich fast unbegrenzt Zeit für Dinge, die zuhause immer ganz schnell gehen müssen und für die im hektischen Alltag häufig keine Ruhe ist. Dazu gehören banale Sachen, wie sich selbst anziehen, die Schuhe zubinden, das Geschirr abräumen oder ein Bild in Ruhe zu Ende malen. Und dabei wachsen sie ganz schnell über sich selbst hinaus. Das ist für Eltern eine wahnsinnig schöne Erfahrung. Auch, weil man endlich mal den ganzen Tag dabei sein und den Kindern dabei zusehen darf. Und zwar nicht nur ein oder zwei Urlaubswochen, sondern viele Monate am Stück.

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Kürbisse für Halloween in New Jersey

So intensiv, wie auf einer Weltreise, ist man als Familie wahrscheinlich nie wieder zusammen.  Und ich habe noch nie eine Familie erlebt, die enttäuscht von ihrer Reise zurück in die Heimat gekommen ist.

Was ist das beste Reisealter?

Gibt es ein ideales Reisealter? Klare Antwort: Nein! Jedes Alter hat seine Vor- und Nachteile. Ist ein Kleinkind oder Baby noch nicht sehr wählerisch und kommt auch noch in den 50. Tempel mit, muss man den Tagesablauf doch stark an den Bedürfnissen der kleinen Menschen ausrichten, sorgt sich noch intensiver um die Gesundheitsversorgung und lange Roadtrips sind meist auch eher nix. Dafür hat man keine Sorgen mit der Schulpflicht. Mit Kindern im Grundschulalter kann man schon sehr viel mehr unternehmen. Sie haben aber auch schon eine eigene Vorstellung davon, wie sie gern ihre Zeit verbringen und ihre Wünsche müssen auf Reisen auf jeden Fall Beachtung finden. Und von der Schule befreien lassen muss man sie auch, was manchmal ein langwieriger bürokratischer Prozess sein kann. Jugendliche sind dann noch mal ganz andere Reisebegleiter. Vielleicht ist es schon schwer, sie aus ihrem gefestigten Umfeld zuhause zu lösen. Und unterwegs brauchen sie garantiert auch mal  ihre eigenen Auszeiten. Dafür können sie sich richtig gut in die Reiseorganisation einbringen und gelegentlich auf sich selbst aufpassen und den Eltern damit Freiraum geben.  

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Affenmama und Mommepapa auf Bali

Planung und Organisation: Wo fangen wir bloß an?

Ihr wollt eine Weltreise machen. Ok. Und jetzt? Wie geht man so ein riesiges Projekt mit Kindern nur an? Wenn der Wille erstmal steht, sind vier wichtige Dinge zu klären: 

  • Zeitpunkt: Elternzeit, Sabbatjahr- oder Zeitkontoregelungen, unbezahlter Urlaub oder Kündigung: Was mit dem Job passiert während der Reise, hilft beim Finden des richtigen Zeitpunktes. Wenn die Kinder bereits eine Schulbefreiung brauchen, kann auch das den zeitlichen Rahmen für die Weltreise bestimmen.
  • Finanzierung: Selten ist genug Erspartes da, um sofort mit der Weltreise zu starten. Es muss also ein Plan her, in welchem Zeitraum wie viel gespart werden kann, um eine Weltreise zu realisieren.  Ganz grob kostet eine durchschnittliche Weltreise mit zwei Kindern, mit einem Mix aus günstigen und teuren Reiseländern, zwischen 40.000 – 50.000 € inkl. aller Kosten, wenn man nicht ganz low budget unterwegs sein möchte. Günstiger geht, teurer sowieso immer.
  • In dem Beitrag „Was kostet eine Weltreise mit Kindern?“ auf Levartworld, findest du Erfahrungswerte von Familienreisebloggern, die mit ihren Kindern die Welt bereisen.
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Auch mit der Kleinsten kann man schon wandern
  • Reiseart: Wo wollt ihr hin, welche Länder bereisen, welche Städte besuchen, in welchen Ozeanen schwimmen, welche Berge erklimmen? Die Routenplanung ist aufwendig und erfordert viel Recherche und auch Abstimmung untereinander. Ein hilfreiches Tool dafür findet ihr auf weltreise.jetzt. Und Reiseprofis können auch beratend zur Seite stehen, denn häufig hängt die endgültige Route auch davon ab, welche Länder sich gut per Flug kombinieren lassen, damit sich die geflogenen Kilometer und damit verbundenen Ticketkosten in annehmbaren Grenzen halten.  Ab ca. 11 Monate vor Reisebeginn kann man damit beginnen, Flugtickets zu buchen. Nicht immer ist das so früh tatsächlich sinnvoll, lasst euch hier gern von uns beraten, wann der günstigste Zeitpunkt ist, die Flüge für eure spezielle Route zu buchen.
  • Zeitplan: Wenn die groben Vorüberlegungen stehen, macht es Sinn, sich einen Zeitplan zu machen, damit man nichts Wichtiges bei der Vorbereitung vergisst. Wenn der abgearbeitet ist, wird definitiv nichts Wichtiges vergessen. 
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Abenteuerwanderung im Nebelwald in Costa Rica

Worauf kommt es an bei der Planung einer Weltreise mit Kindern?

Drei wichtige Grundsätze sollten euch leiten:

  • Weniger ist mehr! 

Nichts ist schlimmer, als einmal die Woche einen Langstreckenflug und eine Mords-Zeitverschiebung + Klimawechsel hinter sich zu bringen. Bitte, bitte nicht alles, was ihr schon immer sehen wolltet, in diese Reise packen. Ihr reist nicht zum letzten Mal und eure Kinder sowieso nicht. Und mit Kindern dauert einfach alles länger. Das fängt beim Ankommen im Reiseland an, geht über den Ablauf jedes einzelnen Tages, in den man mit Kindern einfach weniger packen kann, und hört bei Roadtrips auf. Denn kein Kind sitzt gern 8 Stunden jeden Tag im Auto oder Wohnmobil. Wenn ihr wirklich etwas davon haben wollt, plant pro Land mindestens 3 Wochen, eher mehr. Pro Städteziel (wie Singapur oder New York) macht ca. eine Woche Sinn. Jede Woche mehr pro Land lässt mehr Eintauchen zu, jede Woche weniger erzeugt nur Stress. Zwischen dem vielen Reisen sollte ab und zu auch mal „reiner Urlaub“ eingeplant werden, z.B. ein oder zwei Wochen in einem netten Hotel am Strand einfach nur relaxen, so ganz ohne große Ausflüge.

  • Eine Weltreise ist kein Urlaub. 

All Inclusive Urlaub, bei dem ihr euch dreimal am Tag an den gedeckten Tisch setzt, die Wäsche beim Wäscheservice im Hotel abgebt und das Zimmer täglich geputzt wird, ist etwas gaaanz anderes als eine Weltreise. Bei dieser könnt ihr lästige Alltagspflichten nicht gänzlich ignorieren, viel ist gerade mit Kindern auch unterwegs nicht zu vermeiden. Vor allem, wenn das Budget nicht unbegrenzt ist: Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen, Koffer ein- und auspacken (öfter, wenn ihr häufiger die Unterkunft wechselt), Camper putzen, Geschirr spülen. Nervt, aber muss sein. Wenn einem das vorher klar ist, überrollt einen das unterwegs nicht. Selbstverständlich sollte sein, dass jeder Erwachsene oder auch älteres Kind mit anfasst und die Arbeit geteilt wird. Das kann man vor der Reise schon verabreden, meist wird es sich aber unterwegs finden. Darüber zu reden, wenn nicht alle zufrieden sind, ist für den Reisefrieden super wichtig. Denn schließlich sollen alle die Reise gleichermaßen genießen können und nicht einer für die anderen der Dienstbote oder die Putzfee sein.

  • Absichern.

Ganz klar: Auf Weltreise mit Kindern ist es nicht gefährlicher als zuhause, aber wie in der Heimat auch sollte man mit Kindern keine unnötigen Risiken eingehen. Dazu gehören gute Versicherungen gegen Reiserücktritt- und abbruch, natürlich eine gute Auslandsreisekrankenversicherung, eine Haftpflicht, die weltweit gilt und Versicherungen ohne Selbstbeteiligung bei allen Mietwagen und Campern, in die man unterwegs so steigt. Auch schon bei der Auswahl der Länder kann man sich vom gesunden Menschenverstand und auch dem eigenen Bauchgefühl leiten lassen: Kriegsgebiete sind sowieso tabu, aber vielleicht sind einem auch Länder mit Malaria oder dem derzeit weit verbreiteten Zikavirus mit Kleinkindern zu heikel. Oder Staaten mit einer sehr hohen Kriminalität. Einfach weglassen! Wenn man eine schöne Zeit mit Kindern haben will, sollte man sich dabei wohlfühlen und nicht ständig Angst haben müssen vor Krankheit, Überfall oder auch unkalkulierbaren finanziellen Risiken.

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Auge in Auge mit dem Vulkan

Nach der Reise ist vor der Reise

Oft vernachlässigt und unterschätzt: Von einer Langzeitreise zurückzukommen, ist nicht nur die reine Wiedersehensfreude. Alle müssen sich erst wieder an den Alltag gewöhnen und am allermeisten daran, nicht mehr rund um die Uhr zusammen zu sein. Dafür sollte Pufferzeit eingeplant werden. Zeit, um sich neu zu orientieren, um schöne Dinge zuhause gemeinsam zu tun, Erinnerungsstücke an die Reise in der Wohnung zu dekorieren oder die Urlaubsfotos zu sortieren. Freunde und Familie wiederzutreffen, auch mal wieder getrennt voneinander zu sein. Und vielleicht schon mal den nächsten kleinen Urlaub planen, kann auch helfen, über den ersten Kulturschock hinwegzukommen.

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Spielplatz with a view in New York

Wer schreibt hier? 

Frauke Manninga ist begeisterte Reisende, Mutter von zwei Kindern (2+6), und Geschäftsführerin der Reiseagentur REISS AUS!, die sich auf Weltreisen spezialisiert hat. Frauke berät in ihrem Schwerpunkt REISS AUS! family vorrangig Familien, die das große Abenteuer mit Kindern wagen wollen, zu Flugtickets, Visa, Versicherungen, Campern und Mietwagen. Aber auch ganz am Anfang bei der grundsätzlichen Frage, wohin es eigentlich gehen soll und wie man so eine Weltreise überhaupt angeht, kann sie dank ihrer langjährigen Erfahrung weiterhelfen. Selbst reist sie mit ihren Kindern, so oft es geht, und verbloggt ihre Fernreisen und andere Themen drum herum im eigenen Blog: aroundtheworldticket.de.

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Frauke Manninga

Du hast etwas über das Reisen mit Kindern zu erzählen und möchtest auch gerne einen Gastbeitrag auf Levartworld veröffentlichen? Dann schreib mir. 🙂

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