Unser Leben in Norwegen und das norwegische Bildungssystem

Unser Leben in Norwegen und das norwegische Bildungssystem

Nun sind wir schon seit zwei Monaten in Norwegen und haben uns gut eingelebt. Für unseren “Großen” war der Umzug besonders aufregend. Er verlässt sein Zuhause, seine alte Schule und seine Freunde. Der Abschied fällt unserem Weltenbummler allerdings nicht allzu schwer. Wir haben ihn im letzten Jahr gut auf den Umzug vorbereitet, viel mit ihm geredet und ihn in all unsere Entscheidungen mit einbezogen. Er freut sich daher riesig auf das neue Leben im Ausland, sein neues Zuhause mit Garten, Wald und See vor der Tür, seine neue Schule und die vielen Abenteuer, die ihn erwarten.

Besonders aufregend ist aber natürlich der Alltag in der neuen Schule, denn dieser ist ganz anders, als wir gedacht haben, und unterscheidet sich sehr, von dem Schulleben, dass wir sonst kennen.

Viele von euch haben uns gefragt, wie Erik seine neue Schule gefällt und in diesem Beitrag versuche ich auf die Fragen einzugehen und erzähle ich euch von dem Bildungssystem in Norwegen und unseren ersten Eindrücken.

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So war es in Deutschland

Mit dem Eintritt ins Gymnasium hat sich der Alltag für unseren sonst so fröhlichen, ausgeglichenen Jungen verändert. Spielen war nicht mehr angesagt, denn die Tage waren durch Zensuren, Tests, Klassenarbeiten und unzählige Stunden hinter dem Schreibtisch geprägt. Der Leistungsdruck war enorm stark und Zeit zum “einfach nur Kind sein”, sehr knapp.

Der neue Schulalltag in Norwegen

Jetzt im Sommer verbringen die Kinder viel Zeit draußen. Bei den langen Wintern kann ich das gut verstehen. Die Kinder lernen den Schulstoff sehr praxisnah. Sie streifen durch die Wälder auf der Suche nach verschiedenen Pflanzen für den Biounterricht. Zwei Stunden in der Woche sind für den Bau einer Holzhütte vorgesehen. Im Sport stehen Mannschaftsspiele und Waldreleys auf dem Plan. Für den Winter gibt es eine Skiabfahrt mit Schlepplift, direkt hinter dem Schulgebäude, die die Kinder in den Pausen und im Unterricht nutzen können.

An Eriks neuer Schule gibt es auch keine 500 Schüler, wie auf der Schule in unserer alten Heimat, sondern insgesamt nur 35. Fünf davon sind in der fünften Klasse. Die Klassen sind gemischt und so lernen die Klassenstufen fünf bis sieben zusammen. Zur Unterstützung stehen den Schülern pro Klasse zwei Lehrer zur Verfügung.

Statt Vokabeln zu pauken und Dinge auswendig zu lernen, die nach dem Test oder der Klassenarbeit gerne wieder verdrängt werden, sollen die Kinder in Norwegen vielmehr ihre Kreativität entfalten, ihre Stärken erforschen und ihre Leidenschaften finden. Sie sollen an Selbstbewusstsein gewinnen und herausfinden, was sie besonders gut können und was sie auszeichnet. Das soziale Miteinander steht an Norwegens Schulen ganz klar im Vordergrund. Doch sicherlich ist auch hier in Norwegen nicht alles Gold, was glänzt und es werden bestimmt noch einige Herausforderungen auf uns zukommen. Bis jetzt sind wir allerdings noch sehr zufrieden.

Das Bildungssystem in Norwegen

Das Bildungssystem in Norwegen ist in drei Stufen aufgeteilt. Die Grundschulzeit geht von der ersten bis zur siebten Klasse. Im ersten Jahr wird den Schülern der Stoff vor allem spielerisch vermittelt. Sie erlernen soziale Strukturen, Lesen, Schreiben, Grundkenntnisse der Mathematik und Englischkenntnisse. In den Klassen zwei bis sieben werden vor allem Mathematik, Englisch, Norwegisch, Naturwissenschaften und Sport unterrichtet. Die Fächer werden ab der fünften Klasse durch Geografie, Geschichte und Sozialkunde ergänzt. Der ganz große Unterschied liegt darin, dass es bis zur achten Klasse keine Zensuren gibt.

Die Sekundarstufe I geht von der achten bis zur zehnten Klasse. Von der achten Klasse an können die Kinder Wahlpflichtfächer wie Deutsch, Französisch und Spanisch wählen. Ab diesem Zeitpunkt gibt es auch Noten, wobei eine „Eins“ die schlechteste und eine „Sechs“ die beste Zensur ist. Die Noten entscheiden darüber, ob ein Schüler die gymnasiale Oberstufe besuchen wird. Kritische Stimmen meinen, die lange Zeit bis zur ersten Note würde den individuellen Entwicklungsstand der Schüler einschränken. Die meisten Bildungsexperten loben jedoch das norwegische Modell, das auf den Praxisbezug sowie die Entwicklung von sozialen Kompetenzen setzt.

Die Sekundarstufe II (Klasse 11 bis 13) ist vergleichbar mit dem deutschen Gymnasium und eine optionale dreijährige Schulausbildung. In Norwegen besuchen 90% der Schüler nach Abschluss der 10. Klasse die gymnasiale Oberstufe. Die Quote der “Abiturienten” ist in Norwegen daher deutlich höher als in Deutschland.

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Chancengleichheit für alle – Bildungssystem in Norwegen

Um Schulsachen wie Stifte, Bücher, Hefte brauchen wir uns in Norwegen nicht zu kümmern. Jedes Kind bekommt alles, was es zum Lernen braucht bis zur 10ten Klasse kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch hochwertige Tablets von Apple und Notebooks stehen an unserer neuen Schule für alle Kinder bereit und werden im Unterricht aktiv benutzt.

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Schulpflicht in Norwegen

Genau wie bei uns, gibt es auch in Norwegen eine Schulpflicht. Sie wird allerdings nicht so streng gelebt, wie in Deutschland. Es gibt keine Polizeikontrollen kurz vor den Ferien am Flughafen und auch keine Bußgelder, die verhängt werden, wenn die Eltern mit ihren Kindern ein paar Tage früher in den Urlaub fliegen möchten.

Wir haben es mit der Schulleitung besprochen und es ist überhaupt kein Problem ein paar Tage früher in den Urlaub zu fliegen, später wiederzukommen oder zwischendurch mal ein Wochenende zu verlängern. Dazu brauchen wir einfach nur die Lehrerin zu informieren.

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Neue Sprache und die Verständigung in der Schule – Bildungssystem in Norwegen

Die Verständigung, trotz fehlender Norwegischkenntnisse, klappt in den ersten Schultagen ganz gut. Erik wird von Schülern und Lehrern mit offenen Armen empfangen und in die Klassengemeinschaft aufgenommen. Mit ganz viel Englisch, Händen und Füßen, sind die ersten Tage an der neuen Schule schnell überstanden. Einige Lehrer sprechen deutsch und helfen aus, wenn mal etwas nicht verstanden wird.

Kinder lernen in der Regel sehr schnell. Schon nach zwei Wochen sitzen die ersten Norwegisch-Vokabeln und auch Eriks Englischkenntnisse werden immer besser. Zusätzlich zum Schulunterricht lernen wir jeden Tag, auch nach der Schule, Norwegisch mit Hilfe von Büchern, Apps und dem norwegischen Radio.

Hast du Fragen? Ich freue mich über Kommentare. 🙂

 

  1. Daidi

    hey,

    schön geschrieben. Ich selbst habe zwar noch keine Kinder, bin aber dem Deutschen Schulsystem gegenüber auch sehr skeptisch. Darum schön zu lesen wie das so in Norwegen ist und dass es auch gut klappt.

    Klingt interessant, werde da mal mehr darüber lesen.

    Wie klappt das Norwegisch lernen deiner Kinder?

    Ich lerne in Moment Vietnamesich mit der Birkenbihl Methode. Das ist ein ganz anderer Ansatz eine Sprache zu lernen. Hirngerecht und eher so wie Kinder lernen würde.

    Hier ein YouTube Video falls du Interesse hast 🙂
    https://www.youtube.com/watch?v=gArcj7xySaM

    Es gibt auch ein 3 Stunden Video, da wird es super erklärt

    Grüßeeee

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